Reise Nr. 3 – Ein kleines Reisetagebuch von Gesche

Hey, ich bin Gesche. Im Oktober war ich mit den Rollstuhlerlebnisreisen in Hamburg unterwegs.

Jetzt möchte ich von meinen Wunsch-Zielen erzählen. Vielleicht habt ihr danach Lust, auch Hamburg unsicher zu machen. Wichtig, eure Ziele können komplett Andere sein, als meine!

Samstag, 12. Oktober:

Tiefenentspannte Fahrt nach Hamburg, so auch Ankunft, Auspacken usw. im barrierefreien Stadthaushotel.

Abends zuerst chill’n mit Cocktails im Hotel Reichshof, dann ab in das deutsche Schauspielhaus gleich nebenan, wo das „Raumschiff der Nibelungen“ landete. Zugegeben, von der Inszenierung hatte ich vorher kaum eine Vorstellung. Umso größer meine Überraschung, über Charaktere im Trainings- und Siebzigerjahre-Glitzer- Anzug, die sich in der Umgebung eines Raumschiffes buchstäblich bekämpften bis aufs Blut. O.k., das war das Einzige, was zu erwarten war! Lügen und Intrigen! Als die Raumschiff-Radiostation Valhalla die Bühne des Staatstheaters wieder verließ, fragten Heiko und ich uns in der schönsten Weise, : „What? Was war das gerade?“.

Klar, in der Zwischenzeit war es dunkel geworden. So war ich dankbar, dass Heiko mich mit ruhiger Hilfestellung und Begleitung in „mein Hotel“ zurückbrachte.

Ab jetzt übernahm Nachtschwester Alex Hilfestellung und Pflege. Nicht nur, dass ich damit voll zufrieden war. Alex holte mich auch auf sehr verständnisvolle und lustige Art wieder runter. Mit den spannenden Eindrücken, erst recht des ersten Abends, wären meine Gedanken sonst noch viel länger geschwebt wie das „Raumschiff der Nibelungen“.

Sonntag, 13. Oktober:

Neuer Tag, neue Vorfreude! Als erstes durch den großen, öffentlichen Park „Planten un Blomen“. Dort z.B. habe ich erfahren, dass es auch große Bonsai- Bäume gibt, auf welchen Sitz sich die Schwiegermutter besser nicht setzen sollte u.v.m. Selbst, als das Wetter, übrigens das einzige Mal auf der Reise, kurz schlechter wurde, gab es in gleich mehreren tropischen Gewächshäusern immer noch mehr als genug zu entdecken.

Danach in die Kunsthallen; dort suchten Heiko und ich zuerst buchstäblich nach den Alten Meistern. Denn die Vielfältigkeit der Ausstellungen und die Größe der einzelnen Räume „überforderten und überwältigten“ uns erst auf angenehme Art und Weise. Aber schließlich fanden wir meinen Wunsch- Ort doch noch. Auch, weil wir in den Kunsthallen sehr hilfsbereite Ansprechpartner fanden. So habe ich es vorher in Museen noch nicht erlebt.

Abends ins „Knust“- Kneipe/Bar, aber auch kulturelle Begegnungsstätte. Jazz, wie ich ihn vorher noch nie auf die Ohren bekommen habe, entführte Heiko und mich nach Istanbul. Für mich ein Urlaub im Urlaub!

Montag, 14. Oktober:

Morgens schon ein bisschen mit gemischten Gefühlen dachte ich daran, dass das hier mein vorletzter Tag der Reise sein werde. Aber diese Gefühle konnten sich nicht lange halten, bei dem, was an diesem Montag laufen würde. In den Fanräumen des FC St. Pauli wurde ein Wunsch wahr, den ich schon so lange hatte, aber mir nie hätte selbst erfüllen können, dass ich ihn als Traum bezeichnen würde. Der Bodypainter Enrico Lein zauberte mir mit seiner Kunst einen Elefanten. Das Kunstwerk selbst ist, logisch, schon lange verschwunden. Der Eindruck dieses Nachmittags wird bleiben!

Am späten Nachmittag ging es zu den Landungsbrücken; Hafen-Luft schnuppern!

Am Abend wartete die Elbphilharmonie auf uns. Erst der großartige Bau selbst; inclusive Panorama-Gang in der Dunkelheit. So schön! Der leichte Wind und eine unglaubliche Aussicht! So, dass ich für Sekunden dann sogar vergessen hatte, dass ich on top den Moscow Virtuosi lauschen durfte. Die Akustik, ein Erlebnis! Ich hatte das Gefühl, jeden Ton im Körper zu spüren. Das, obwohl Heiko und ich ziemlich weit oben saßen.

Dienstag, 15. Oktober:

Leider schon der Tag der Abreise. Heiko und Alex packten in Ruhe meine Sachen. Die äußerst hilfsbereiten und freundlichen Mitarbeiter des Stadthotels verabschiedeten uns.

Aber, ein letztes Wunsch-Bonbon gab es noch; eine persönliche Stadtführung . Sie war lustig und informativ. Der Stadtführer Evan ging außerdem ausdrücklich auf meine Bedürfnisse wegen meiner Behinderung ein.

Was ich noch erwähnen möchte; ich musste mich noch nicht einmal um Essen und Trinken kümmern und ich bin genauso gut zuhause gelandet, wie ich in Hamburg angekommen war.

Macht es mir gerne nach, aber macht euer eigenes Ding!

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